Medienmitteilung Vision Zwingli
Am Geburtsort Huldrych Zwinglis in Wildhaus soll bis 2030 ein Kultur-, Bildungs- und Begegnungsort von nationaler und internationaler Ausstrahlung entstehen, der Menschen dazu einlädt, sich mit den Grundlagen und Herausforderungen einer lebendigen demokratischen Kultur auseinanderzusetzen. Vision Zwingli verbindet das reformatorische Erbe mit zeitgenössischer Architektur, Musik und aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Ein architektonisches Leuchtturmprojekt von Peter Zumthor bildet zusammen mit dem historischen Geburtshaus und ergänzenden Bauten von Allen + Crippa das räumliche Herzstück. Die Baukosten werden derzeit auf CHF 40 bis 60 Mio. geschätzt.
Begegnung und demokratische Kultur
Demokratie lebt nicht allein von Institutionen, Wahlen und Abstimmungen. Sie lebt davon, dass Menschen sich eine eigene Meinung bilden, unterschiedliche Stimmen hören, Widerspruch aushalten und Verantwortung für das Geminsame übernehmen. Doch gerade weil die Demokratie in der Schweiz seit Generationen selbstverständlich erscheint, gerät leicht aus dem Blick, dass sie vom täglichen Engagement der Menschen lebt. Gleichzeitig erschweren gesellschaftliche Polarisierung und zunehmend unversöhnliche Debatten den offenen Austausch. Wo Menschen sich aus dem Dialog zurückziehen, verliert Demokratie an Lebendigkeit. Genau hier setzt Vision Zwingli an. Am Geburtsort des Reformators entsteht ein offener Ort für Bildung, Begegnung und gesellschaftliche Auseinandersetzung. Zwingli und die reformierte Tradition bilden den historischen Ausgangspunkt. Im Zentrum steht die Frage, wie Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen im Gespräch bleiben und das Zusammenleben gemeinsam gestalten können. «Tut um Gottes Willen etwas Tapferes! Lebt Demokratie.»
Die Toggenburger Demokratie-Ellipse
Die räumliche Leitidee ist die «Toggenburger Demokratie-Ellipse». Sie verbindet und umschliesst zwei eigenständige Brennpunkte: das historische Zwingli-Geburtshaus mit dem theologischen Fundament sowie einen neuen Ort für Begegnung, Disputation, Musik und Kultur. Entlang dieser Ellipse führen die Wege der Bildung und Diakonie von der Auseinandersetzung mit der Geschichte über eigenständiges Denken und Urteilen sowie Verantwortung füreinander hin zu Dialog und gesellschaftlicher Verantwortung. Auch die Taufkirche, die Landschaft und die Aussenräume werden in das Gesamterlebnis einbezogen.
Architektur von Peter Zumthor und Allen + Crippa
Peter Zumthor entwickelt das architektonische Leuchtturmprojekt. Nach heutigem Planungsstand ist ein flacher, in die Landschaft eingebetteter Holzbau mit grosszügigen Aussenräumen und multifunktionalen Räumen für mindestens rund 300 Personen vorgesehen. Die endgültige architektonische Gestalt entsteht im weiteren Entwurfsprozess. Eine von Rudolf «Ruedi» Lutz entwickelte Orgel soll zusätzliche Möglichkeiten für Konzerte, Improvisationen und musikalische Begegnungen schaffen.
Allen + Crippa entwickeln die ergänzende Architektur rund um das historische Geburtshaus und das theologische Fundament. Die Dramaturgie und Inszenierung des Gesamtprojekts begleitet die Kreativagentur Aroma. Gemeinsam entsteht eine zusammenhängende Besuchserfahrung, die Geschichte, Architektur, Landschaft, Bildung und Begegnung miteinander verbindet.
Ein offener Ort für unterschiedliche Menschen und Perspektiven
Vision Zwingli soll ganzjährig vielfältige Angebote ermöglichen: Ausstellungen und Bildungsprogramme, gesellschaftliche Dialogformate und Disputationen, Musik und Kultur, Architekturführungen, Seminare sowie religiöse und reflexive Angebote. Der Ort richtet sich an Menschen unterschiedlicher Generationen, Weltanschauungen und religiöser Hintergründe – von Schulen und Hochschulen über Kultur- und Architekturinteressierte bis zu Unternehmen, Organisationen und Gästen des Toggenburgs.
Neue Impulse für Wildhaus und das Toggenburg
Vision Zwingli ergänzt die Klangwelt und die touristische Entwicklung des Toggenburgs um einen eigenständigen Kultur- und Bildungsort. Das Projekt schafft neue Anknüpfungspunkte für Hotellerie, Gastronomie, Kulturangebote und den regionalen Tourismus. Die aktuelle Planung geht von rund 50’000 Tagesbesuchen und rund 20’000 zusätzlichen Logiernächten pro Jahr aus. Eine bisherige Kosten-Nutzen-Modellierung rechnet mit einem zusätzlichen touristischen Umsatz von rund CHF 7.4 Mio. und einer potenziellen jährlichen Bruttowertschöpfung von rund CHF 5 Mio. Diese Annahmen werden im weiteren Projektverlauf überprüft und präzisiert.
Trägerschaft und Projektpartner
Trägerin des Projekts ist die 2026 gegründete Stiftung Vision Zwingli. Ihre Gründerinnen sind die Evangelisch-reformierte Kirche des Kantons St. Gallen, die Politische Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann und Toggenburg Tourismus. Die strategische Führung liegt beim Stiftungsrat unter dem Präsidium von Martin Schmidt.
Der aktuelle Gesamtmittelbedarf wird auf rund CHF 70 Mio. geschätzt, einschliesslich CHF 15 Mio. für einen Betriebs- und Substanzerhaltungsfonds. Die Finanzierung soll überwiegend durch private Mittel erfolgen, ergänzt durch institutionelle und öffentliche Beiträge. Die Neue Regionalpolitik (NRP) unterstützt bereits die Projektentwicklung.
Für 2027 stehen die weitere Planung, die Finanzierung, die Bewilligungen und die Konkretisierung des Betriebs- und Angebotskonzepts im Zentrum. Der Baustart ist für 2028 vorgesehen, die Eröffnung für 2030.
Demokratie braucht Raum
Vision Zwingli will mehr sein als ein Ort der Erinnerung. Das Projekt verbindet das historische Erbe Zwinglis mit der gesellschaftlichen Verantwortung der Gegenwart und schafft Räume, in denen Menschen Geschichte verstehen, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und miteinander ins Gespräch kommen können.
«Wir schaffen Räume. Denn Demokratie braucht Raum.»